Wir haben fünf Parteien 25 Fragen zu queerer Politik in Mecklenburg-Vorpommern gestellt. Vier haben geantwortet. Alle Antworten stehen ab heute im Wortlaut online – ungekürzt, unkommentiert und ohne Note von uns.
Veröffentlicht: 1. September 2026

Warum wir gefragt haben
In den Wahlprogrammen kommen queere Themen meistens auf einer halben Seite vor, oft in denselben zwei Sätzen wie vor fünf Jahren. Was daraus für den Alltag folgt – ob es Beratung auch in Anklam gibt, ob eine trans* Person in Ludwigslust eine Ärztin findet, ob Gewalt gegen queere Menschen im Land überhaupt gezählt wird –, steht dort nicht.
Deshalb haben wir am 1. August einen Katalog mit 25 Fragen an die Landesgeschäftsstellen von SPD, CDU, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP geschickt. Es sind Fragen, die sich beantworten lassen: Wollt ihr das? Bis wann? Womit bezahlt?
Zwei Dinge, die in allen Antworten fehlen
Sechs unserer Fragen wollen ausdrücklich einen Zeitpunkt wissen – „Bis wann?“. In keiner der Antworten auf diese sechs Fragen nennt eine Partei ein Datum, bis zu dem etwas umgesetzt sein soll. Die SPD schreibt bei der Frage nach der Umsetzung des Selbstbestimmungsgesetzes offen: „Einen festen Stichtag legen wir nicht fest.“ Die anderen umgehen die Frage.
Sechs weitere Fragen zielen auf Geld. Auch hier nennt keine Partei eine Summe, die sie künftig zusätzlich bereitstellen will. Die Zahlen, die vorkommen, sind Rückblicke auf bereits Beschlossenes – oder, bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, das bestehende Jahresbudget der Landesberatungsstelle TIN*MV von 140.000 Euro als Orientierung für deren Fortführung. Das ist etwas anderes als eine Zusage.
Beides ist keine Kleinigkeit. Zwischen „Wir setzen uns dafür ein“ und „bis Ende 2027, finanziert aus Titel X“ liegt der Unterschied zwischen einer Absicht und einem Vorhaben.
Wo die Antworten weit auseinandergehen
Beim Landesantidiskriminierungsgesetz beziehen alle vier klar Position, und zwar gegensätzlich: DIE LINKE bejaht es, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sehen die Notwendigkeit, SPD und FDP lehnen es jeweils mit einem ausdrücklichen „Nein“ ab. Die SPD verweist stattdessen auf die neu geschaffene Ombudsperson beim Bürgerbeauftragten. Das ist eine echte Wahl zwischen Alternativen – genau dafür haben wir gefragt.
Breiten Zuspruch findet dagegen eine einheitliche Regelung an den Hochschulen des Landes, mit der trans* und nicht-binäre Studierende Namen und Geschlechtseintrag unbürokratisch ändern können.
Und ein Thema fällt komplett heraus: Der Zugang zur HIV-Prophylaxe PrEP im ländlichen Raum war Teil einer unserer Fragen. In keiner der 100 Antworten kommt das Wort auch nur vor.
Warum wir keine Noten vergeben
Auf der Antwortseite findest du zu jeder Frage drei Dinge: unsere Frage, den Sachstand, den wir dazu recherchiert haben, und die Antworten der Parteien im Wortlaut. Was du dort nicht findest, ist ein Urteil von uns.
Das ist Absicht. Wir sprechen keine Wahlempfehlung aus, vergeben keine Punkte und erstellen kein Ranking. Wer wählen geht, soll sich sein Urteil an den Originalworten bilden können und nicht an unserer Zusammenfassung. Wie wir vorgegangen sind – was wir aus den Anschreiben weglassen, wie wir mit Tippfehlern umgehen, wie wir Korrekturen ausweisen –, steht vollständig auf unserer Methodenseite.
Zur CDU
Bis zum Stichtag am 28. August um 18 Uhr ist von der CDU keine Antwort eingegangen. Wir weisen das bei jeder einzelnen Frage aus, statt die Lücke stillschweigend zu lassen.
Sollte eine Antwort noch kommen, veröffentlichen wir sie nach – mit Eingangsdatum und dem Hinweis, dass sie nach der Frist kam. Das gilt für alle Parteien gleichermaßen.
Lies selbst – und sag uns, wenn etwas nicht stimmt
Die Antworten sind lang; zusammen rund 71.000 Zeichen. Du musst nicht alles lesen. Auf der Antwortseite kannst du zu den Themen springen, die dich betreffen – Beratung, Gewaltschutz, Gesundheit, Schule, Pflege, Hochschule.
Wenn dir dabei etwas auffällt – ein Satz, den wir falsch wiedergeben, ein Sachstand, der überholt ist, ein toter Link –, schreib uns an vorstand@meer-vielfalt.de. Wir korrigieren und weisen die Korrektur datiert aus. Die Originalschreiben der Parteien geben wir auf Anfrage weiter; öffentlich stellen wir sie nicht ein, weil personenbezogene Daten darin stehen.
Am 20. September wird gewählt. Danach ist diese Seite nicht erledigt: Wir gleichen den Koalitionsvertrag mit diesen Zusagen ab. Wer etwas versprochen hat, wird sich daran messen lassen müssen.

